20 Jahre Sozialassistenz in Leipzig
20 Jahre Sozialassistentenausbildung am DPFA-Bildungszentrum für Sozialwesen in Leipzig: Das Jubiläum bot am 8. September nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zum gemeinsamen Weiterdenken. Aktuelle und ehemalige Schüler, Schülerinnen, Lehrkräfte, Schulleitung, Geschäftsführung und Praxispartner tauschten sich über Erfahrungen, Wünsche und neue Ideen aus. Gemeinsam entwickelten sie Ansätze für die Ausbildung von morgen.
Feiern und weiterdenken
2006 startete die Berufsfachschule der DPFA mit der Ausbildung von Sozialassistenten und Sozialassistentinnen im Leipziger Täubchenweg mit 26 Personen. Heute lernen dort knapp 150 angehende Sozialassistenten und -assistentinnen. Schulleiterin Evelyn Arnrich machte zur Feierstunde deutlich, warum der 20. Geburtstag mehr sein sollte als ein Rückblick: „Wir wollen heute feiern und gemeinsam weiterdenken.“ Auch Catrin Liebold, Inhaberin des familiengeführten Bildungsunternehmens, blickte auf die Entwicklung des Standorts und die vielen beruflichen Wege, die dort begonnen haben. Gerade die Verbindung von Ausbildung und praktischem Handeln hob sie hervor: "Die einen lernen für ihren zukünftigen Beruf – und die anderen profitieren schon heute davon.“
Erst fragen, dann diskutieren
Das Jubiläum bot Raum für einen Rückblick auf 20 Jahre Sozialassistentenausbildung. Vor allem aber sollte die Feierstunde den Blick nach vorn richten. Das Team um die Schulleiterin Evelyn Arnrich wollte den Tag nutzen, um gemeinsam zu überlegen, wie sich die Ausbildung weiterentwickeln kann. Dafür wurden aktuelle Schüler und Schülerinnen im Vorfeld in einer Umfrage gefragt, wie sie ihre Ausbildung erleben, was ihnen wichtig ist und wo sie Veränderungsbedarf sehen. Ihre Antworten bildeten die inhaltliche Grundlage für mehrere Workshops am Jubiläumstag.
Zum Jubiläum sagt die Geschäftsleitung Danke: Schulleiterin Evelyn Arnrich und Fachbereichsverantwortliche Claudia Hillmann stehen stellvertretend für das Engagement, mit dem die Sozialassistentenausbildung im „Taubenschlag“ seit Jahren weiterentwickelt wird. Fotos: DPFA Leipzig
Margret Rasfeld setzt Impulse
Einen besonderen Beitrag zur Feierstunde leistete Margret Rasfeld. Die langjährige Bildungsinnovatorin und Mitgründerin der Initiative „Schule im Aufbruch“ war viele Jahre selbst als Schulleiterin tätig. Zur Feierstunde in der Leipziger Berufsfachschule stellte sie eine zentrale Frage: Was brauchen junge Menschen heute, damit Lernen stärkt und auf das Leben vorbereitet? Ihre Antwort fasste sie so zusammen: „Junge Menschen brauchen Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Beziehung, Beteiligung, Bedeutsamkeit.“
Bemerkenswert, wie deutlich sich ihre Gedanken mit den zuvor gesammelten Aussagen der DPFA Schüler und Schülerinnen deckten:
- Rasfeld sprach über mehr Mitbestimmung und Selbstständigkeit. Die aktuellen Schüler und Schülerinnen hatten sich in der Umfrage ebenfalls mehr Eigenständigkeit und Lernbegleitung auf Augenhöhe gewünscht.
- Sie forderte echte Erfahrungsräume statt reiner Wissensvermittlung. Parallel dazu nannten die Befragten den Wunsch nach mehr reale Handlungssituationen, Rollenspiele und einen stärkeren Theorie-Praxis-Transfer.
- Auch bei der Lernumgebung gab es Gemeinsamkeiten. Margret Rasfeld sprach über die Wirkung einladender Räume und Möglichkeiten für Rückzug und Begegnung. Die Schüler und Schülerinnen hatten genau solche Orte bereits in der Vorabumfrage eingefordert.

Erfahrungen treffen neue Perspektiven
Nach der Feierstunde ging es in die Workshops. Aktuelle und ehemalige Schüler und Schülerinnen arbeiteten gemeinsam mit Margret Rasfeld, den Lehrkräften, der Geschäftsführung und weiteren Gästen an der Zukunft der Ausbildung. Die heutigen Schüler:innen brachten den unverstellten Blick auf ihren aktuellen Schulalltag mit. Ehemalige konnten ergänzen, was ihnen rückblickend in Ausbildung und Beruf besonders geholfen hat. Die jungen Menschen bekamen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen direkt mit Entscheidungsträgern zu teilen und eigene Vorstellungen einzubringen.
Drei Fragen gaben den Rahmen vor: Was aus der Vergangenheit bewahren? Was in der Gegenwart verändern? Was für die Zukunft einführen?
In den Workshops entwickelten aktuelle und ehemalige Schüler:innen gemeinsam mit Lehrkräften, Geschäftsführung und Gästen konkrete Ideen für die Ausbildung. Dazu gehörten unter anderem Schülerpatenschaften, mehr Praxisphasen und eine stärkere Mitgestaltung der Lernräume. Fotos: DPFA Leipzig
Bewahren und weiterdenken
In den Workshops wurde zunächst deutlich, was den „Taubenschlag“ schon heute auszeichnet und erhalten bleiben soll: die starke Schulgemeinschaft, die Praxisbörse und die enge Verbindung von Theorie und Praxis. Nachhaltigkeit, Vielfalt und Demokratie prägen das DPFA-Bildungszentrum ebenso wie naturnahe Projekte.
Darauf aufbauend wurden aus den Ergebnissen der Vorabumfrage konkrete Ideen für die weitere Entwicklung. Diskutiert wurden zusätzliche Praxiseinsätze und Kennenlerntage vor Praktika, Patenschaften zwischen Schüler:innen sowie neue Lern- und Rückzugsorte. Auch eine gemeinsame Transformationswoche, in der Schüler:innen das Schulhaus mitgestalten, fand Zuspruch. Ein weiterer Vorschlag war ein zusätzliches Zeugnis, das neben Noten auch persönliche Stärken und Rückmeldungen von Mitschüler oder -schülerinnen sichtbar macht.
Die Ergebnisse aus Vorabumfrage und Workshops fließen nun in die weitere Entwicklung der Sozialassistentenausbildung ein. Dabei wird geprüft, welche Ideen zeitnah umgesetzt und welche langfristig weiterentwickelt werden können.




